20.11.2014

Soll die Saalach noch mehr Strom produzieren?

Bild: saalachkraftwerk
Ein wunderschöner Ausblick vom Nonner Steg Richtung Müllnerhorn
Debatte in der SPD zum geplanten Saalachkraftwerk


Bad Reichenhall. Soll die Saalach im Reichenhaller Tal noch mehr Strom liefern oder für das Geschiebe und die Fische durchgängig bleiben? Der Vorschlag für ein neues, Kraftwerk am Nonner Steg sorgt auch in der örtlichen SPD für Debatten. Bei einer Mitgliederversammlung zu diesem Thema befürwortete der Ortsvorsitzende Guido Boguslawski die Wasserkraft als saubere Energie zur Bewältigung des Atomausstiegs und Maßnahme gegen die drohende Klimaerwärmung. Dr. Wolf Guglhör lehnt das Vorhaben ab, empfahl der SPD aber, mit einer Entscheidung noch das in Auftrag gegebene Geschiebe-Gutachten abzuwarten. Von der Gesetzeslage her dürften neue Wasserkraftwerke ohnehin nur noch an bestehenden Querbauwerken gebaut werden. „Das sogenannte Verschlechterungsverbot und die Verbesserung der ökologischen Situation ist eine hohe Hürde“, so der SPD-Fraktionssprecher.


Die Bedeutung der Saalach für Bad Reichenhall könne nicht hoch genug eingeschätzt werden, so Guglhör in seinen vorangestellten Informationen. Einst waren die Ufer der Saalach drüben in Nonn und herüben unter dem Gruttenstein. Das eigentliche Flussbett war dort, wo jetzt die Ludwigstrasse verläuft. Eingezwängt und umgeleitet in ein unnatürliches „S“ wurde sie zu einem Schicksalsfluss für die Stadt. Für die Salzgewinnung war die Anlieferung des Holzes auf der Saalach (Trift) von entscheidender Bedeutung. Als die Holztrift wegen der Kohle ihre Bedeutung verlor, konnte vor rund hundert Jahren das Wasserkraftwerk und das Kiblinger Wehr gebaut werden. Damals war das Saalachkraftwerk neben dem Walchenseekraftwerk eine Pionierleistung auf diesem Gebiet der Stromerzeugung.

Allerdings blieben vor hundert Jahren die ökologischen Bedenken unberücksichtigt.
Das Geschiebe sollte bei der Staumauer eigentlich durchgehen. Eine Bauauflage, die nicht eingehalten wurde. Dabei ist die Saalach ein Gebirgsfluss mit sehr viel Geschiebe und die Probleme mit aufgestautem Kies, der Gefahr von Sohldurchbrüchen und Hochwasser entsprechend groß. 50.000 Kubikmeter müssen jährlich aus dem Saalachsee gebaggert und unterhalb der Staumauer wieder hinein gekippt werden. Das Geschiebe sei unerlässlich für das Gleichgewicht und zur Vermeidung von Sohldurchbrüchen (plötzlichen Eintiefungen)

Neben der Geschiebeproblematik und der ökologischen Verschlechterung z.B. für die Fische ist für Guglhör auch die Stromerzeugung noch zu hinterfragen. Das vergleichsweise kleine Einzugsgebiet in den Nordalpen mit wenig Ausgleichsmöglichkeiten für regional unterschiedliche Niederschläge verursacht einen sehr variablen Wasserpegel. Bei Hochwasserspitzen fließen bis zu 1200 Kubikmeter pro Sekunde. Der niedrigste gemessene Abfluß lag bei einem (!) Kubikmeter. Niedrigwasser herrsche viele Monate, gerade bei hohem Strombedarf und wenig Sonne. Wenn die jetzt als ökologisch gepriesene Fischtreppe auch bei Niedrigwasser betrieben und auch Restwasser über die Sohlschwelle laufen solle, sei die Stromerzeugung eigentlich nicht grundlastfähig. Speziell die Grundlast sei aber die Achillesferse beim Atomausstieg.

In der Diskussion erinnerte Ulrich Scheuerl an die Pressemeldungen, wonach Salzburg jetzt mit der Salzach und den Aulandschaften genau den umgekehrten Weg geht. Sie verabschieden sich von weiterer Wasserkraftnutzung und geben dem Fluss und der Natur wieder mehr Platz. Eine Vorlage, wie sie für die Reichenhaller Fluss- und Auenlandschaft nicht schöner sein könnte, so Scheuerl. Seit langem vermisse er eine Grundsatzdiskussion im Stadtrat und eine klares Bekenntnis in der Stadtpolitik zu Gunsten der Saalach und der Auen und gleichzeitig ein Bekenntnis gegen weitere Nutzungen durch Freizeitanlagen, Sport und Spaß, oder wie jetzt für die Stromerzeugung.

Die ehemalige SPD-Stadträtin‚ Elli Reischl erinnerte an die 2001 von der Stadt Bad Reichenhall angestoßene Saalachresolution, die von 15 Anliegergemeinden zwischen Saalbach/Hinterglemm und Freilassing unterschrieben wurden. Die Unterzeichner verpflichten sich darin „zur Verbesserung der ökologischen Strukturen, der Durchgängigkeit des Flusslaufes, der Stabilisierung der Flusssohle und der Gewässergüte“ zitierte Elli Reischl von der Homepage der Stadt Bad Reichenhall und fragte, was die Unterschrift unter eine solche Resolution wert ist.

Ganz ohne Eingriffe in die Natur und ohne jede Veränderung in das Landschaftsbild könne die Energiewende nicht funktionieren und auch Reichenhall sei in der Pflicht, einen Beitrag zu leisten, wurde den Kritikern des Kraftwerkes entgegengehalten. Auch die wirtschaftliche Bedeutung einer eigenen Stromerzeugung und dass es von den Stadtwerken, also in öffentlicher Hand bzw. als Bürgerprojekt geplant sei, wurde hervorgehoben.

Als Ergebnis beschlossen die anwesenden Mitglieder, eine Entscheidung in der SPD bis zur Vorlage des Geschiebegutachtens und weiterer Untersuchungen offen zu lassen.




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