18.09.2016

Wohnungspolitik im Berchtesgadener Land

Bild: Brunner Roman Guido
Florian Brunner, Andreas Lotte, Roman Niederberger und Guido Boguslawski sind sich einig: Es muß mehr gebaut werden.
Der Wohnungsmarkt ist gekippt
Der Wohnungsmarkt ist gekippt
SPD begrüßt das Umsteuern zum Wohnungsneubau

Bad Reichenhall. Je nach Einkommensklasse 4,10 Euro bis 6,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter und Monat. Die dritte Säule der staatlichen Wohnbauförderung macht das möglich. 16 Wohnungen nach diesem Modell errichtet derzeit das Wohnbauwerk Berchtesgadener Land in Bad Reichenhall im Ortsteil Schwarzbach. Weil der Wohnungsmarkt bis vor 3 Jahren als ausgeglichen galt, lag der Schwerpunkt davor in der Sanierung des Wohnungsbestandes. Das hat sich aber zwischenzeitlich gründlich geändert, meint Florian Brunner, der Geschäftsführer des Wohnungsunternehmens. Angesagt sei jetzt der Neubau von Wohnungen. Ganz im Sinne der SPD ist dieser Weg hin zu Neubauten von Mietwohnungen auch im geförderten Bereich und so wollte sich die SPD vor Ort das 3,4-Millionenprojekt zeigen lassen. Mit dabei waren neben dem Ortsvorsitzenden Guido Boguslawski, der Vorsitzende der Kreis-SPD Roman Niederberger sowie der wohnungspolitische Sprecher der Bayern-SPD Andreas Lotte aus München.

Zuwanderung aus anderen EU-Staaten, besonders Rumänien und Bulgarien ist ein Grund für die Verknappung des Wohnraums. Ein anderer ist die Situation in Salzburg. Wer von dort ausweicht, der hat die Möglichkeit für dreizehn Euro in Hallein zu mieten oder für acht bis neun Euro im angrenzenden Bayern. Immer mehr Menschen aus dem Salzburger Land wohnen in Freilassing, Piding oder Reichenhall und arbeiten in Österreich. Die Folge dieser Situation sind 250 Wohnungssuchende allein auf der Liste des Wohnbauwerks. Und das bei einer Fluktuation von jährlich etwa 90 Wohnungen im Bestand der 1.200 eigenen Objekte. Und für weitere Neubauten ist das Wohnbauwerk beschränkt, weil es nur noch über einen geringen Restbestand an eigenen Grundstücken verfügt, ergänze Florian Brunner.


Diese Rechnung des Geschäftsführers Brunner sollte den SPD-Vertretern deutlich machen, wie notwendig jetzt der Neubau von Mietwohnungen geworden ist. Und dass es durch die Aufstockung der Förderung machbar ist, zeige das neue Projekt in Schwarzbach: bei 2.950 Euro Baukosten pro Quadratmeter Wohnfläche ergibt sich eine kalkulierte Kaltmiete von 8,75 Euro. Durch die im Förderprogramm ebenfalls enthaltenen Mietzuschüsse für Geringverdiener ergeben sich dann die günstigen Mietpreise. Eine Million Euro an Mietzuschüssen summieren sich da in 25 Jahren Laufzeit.



Gegenbeispiel zur Auenstraße

Dass es von den ersten Planungen bis zum Spatenstich in Schwarzbach auch noch schnell gegangen ist, war für den Reichenhaller Ortsvorsitzenden ein Kontrast zum Projekt der WBG in der Auenstraße. Dort sollte es eigentlich auch endlich losgehen. Für die anhaltenden Verzögerungen hatte er kein Verständnis. „Diese Wohnungen im Ortsteil Staufenbrücke werden dringend gebraucht“, so Boguslawski. Und für die SPD, so Roman Niederberger als Kreisvorsitzender, ist das Thema Wohnen längst zum Schwerpunkt in der Kommunalpolitik geworden. Besonders seit der Wohnungsmarkt gekippt ist: „Gute Arbeit und bezahlbares Wohnen, dafür stehen Sozialdemokraten heute“.

Bund soll beim Wohnungsbau mitreden

Aus bayerischer Sicht und mit seinen Erfahrungen aus der Landeshauptstadt München, begrüßte Andreas Lotte die Initiative der Wohnungsbauministerin Barbara Hendriks. Sie will Kompetenzen teilweise an den Bund zurück übertragen. Der Freistaat Bayern habe es trotz der enormen Zuschüsse des Bundes nicht geschafft, für ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. In Bayern wurde im Mehrgeschosswohnungsbau unter dem Bundesdurchschnitt gebaut. Insbesondere wurden zu wenig Miet- und Sozialwohnungen gebaut, so der Landtagsabgeordnete.

Wir brauchen 100.000 zusätzliche bezahlbare Wohnungen bis 2020. In den letzten zehn Jahren sind die Fördermittel des Freistaates annähernd konstant geblieben. Auch der Wohnungspakt Bayern werde aus seiner Sicht keine entscheidenden Verbesserungen bringen. Anscheinend ist die Staatsregierung nicht selbstständig in der Lage, für ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. „Die Zuständigkeiten teilweise an den Bund zu übertragen, ist daher absolut sinnvoll, gleichzeitig darf der Freistaat aber nicht aus seiner Verantwortung entlassen werden", so Andreas Lotte.




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