12.07.2017

Ein Haus auf Stelzen

Bild: Dantebad
Wolf Guglhör Roman Niederberger und Elli Reischl bei der Besichtigung. Florian Lippmann, der Projektleiter erläuterte das eben fertiggestellte Wohnprojekt in München
SPD Reichenhall besucht mit dem Kreisvorsitzenden das Wohnprojekt Dantebad

Wenn der Wohnraum knapp ist, wird er teuer. Mittlerweile so teuer, dass die Politik handeln muss, und das, so die örtliche SPD, gilt auch für das Berchtesgadener Land. Ländliche Gebiete haben es oft besser. Aber wegen seiner Nähe zu Salzburg gilt das Berchtesgadener Land in Bayern als einziger ländlich strukturierter Kreis mit Mietsteigerungen, die es sonst nur in den Metropolen und ihrem „Speckgürtel“ gibt. Die SPD Berchtesgadener Land will schon seit einiger Zeit den Bau bezahlbarer Mietwohnungen anschieben und ein stärkeres Engagement von Politik und Wohnungsunternehmen. Jetzt ist der Kreisvorsitzende Roman Niederberger mit einer Vertretung aus Bad Reichenhall zur Besichtigung eines Vorzeigeprojektes nach München gefahren. Denn, so die SPD-Delegation aus dem Berchtesgadener Land: „wenn sich mehr bewegen soll, dann braucht man neue Anregungen und Ideen“.

Einen Zuzug von knapp 30.000 Menschen hat die Landeshauptstadt München alljährlich zu bewältigen. Eine gewaltige Herausforderung und München will dagegenhalten. Auch mit ganz neuen Ideen. Und das Projekt am Dantebad, gerade fertig geworden, hat jetzt schon Berühmtheit erlangt: „ein Haus auf Stelzen“. Florian Lippmann, der Projektleiter der Wohnungsbaufirma der Landeshauptstadt Gewofag, zeigte den SPD-Vertretern aus dem Berchtesgadener Land wie man eine schon versiegelte Fläche noch einmal für neue Wohnungen nutzen kann. Ausgesucht hat das städtische Wohnungsunternehmen den Parkplatz am Dantebad im Bezirk Neuhausen-Nymphenburg. In nur einem Jahr von der Idee bis zur Fertigstellung wurde über dem Parkplatz des Bades ein Gebäude mit hundert Sozialwohnungen fertig gestellt. Die hundertzehn Autostellplätze bleiben erhalten, gewohnt wird ab dem ersten Stockwerk aufwärts.

Wie das geht, in nur einem Jahr planen und bauen, das wollte der Reichenhaller SPD-Stadtrat Wolf Guglhör dann doch genau wissen. Nicht nur in Bad Reichenhall seien die Zeitabläufe ganz andere. Üblicherweise, so der Vertreter der Gewofag, sei von einem Zeitraum von über 4 Jahren auszugehen. Das Grundstück war allerdings bereits vorhanden, es gab Vereinfachungen beim Vergaberecht und verschiedenen Auflagen und durch die Vergabe an ein Generalunternehmen wurde das Projekt zusätzlich beschleunigt. Die reine Bauzeit von gerade mal 180 Tagen wurde möglich durch eine Modulbauweise in Holz.

Jedenfalls hat das Projekt am Dantebad Modellcharakter und außer den SPDlern aus Reichenhall waren seit April schon 40 Delegationen da, so Florian Lippmann. Auch aus dem Ausland von Salzburg bis Denver, Colorado gibt es Interesse für das Vorzeigeprojekt. Mit sichtlichem Stolz führte er die SPD-Besucher durch das Haus und auf die Dachterrasse mit Spielplatz. Die Baukosten für das Projekt könnten sich ebenfalls sehen lassen. 2.600 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, so war die Planung und nicht einmal 2.800 werden es zuletzt werden. So ergibt sich eine Kostenmiete von 9,40 Euro pro Quadratmeter. Je nach den Einkommensverhältnissen der Sozialmieter geht das dann herunter bis auf 5,50 Euro Miete. Für die Vergabe der Wohnungen wurde eigens ein Ausschuss gebildet um eine „stabile Hausgemeinschaft“ zu bekommen. Die ersten Erfahrungen seien sehr gut, so Lippmann, trotz 50-prozentiger Belegung mit anerkannten Flüchtlingen. Auch die Nachbarn, zuerst mit Bedenken, sind jetzt im guten Kontakt.

„Das Wohnungsbauprojekt Dantebad zeigt, was Politik und Unternehmen bei aktiver Zusammenarbeit und entschlossenem Handeln auch in kurzer Zeit für guten und bezahlbaren Wohnraum bewegen können, ohne das zusätzliche Flächen versiegelt werden müssen“, lautete das Fazit von Roman Niederberger nach dem Besuch. Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter und die beteiligten Unternehmen könnten mit Recht stolz auf diese Leistung sein, die aber nur einen Baustein einer sozial gerechten Wohnungspolitik bilde.




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