22.09.2017

Auentunnel oder Tieferlegung im Bestand

Bild: Umgehungsstrasse
Die hoch belastete Umgehungstrasse im Bestand tiefer legen. Das will die SPD
SPD-Mitgliederversammlung für Prüfung des Auentunnels und der Tieferlegung

Zu der Versammlung wurde auch der Reichenhaller Bauingenieur Stefan Scharrer eingeladen. Er war zu seiner aktiven Zeit Leiter der U-Bahn Baubehörde in München. Gefragt war seine Einschätzung zu einer möglichen Realisierung sowohl des Auentunnels als auch der Tieferlegung im Bestand, wie sie von der SPD seit Jahren favorisiert wird.



Warum die örtliche SPD den Kirchholztunnel immer abgelehnt habe und auch jetzt kritisch zu den neuen Plänen steht, erläuterte Ulrich Scheuerl vom SPD Vorstand. Generell, also unabhängig von der Reichenhaller Problematik, setzt eine SPD-Verkehrspolitik nicht vorrangig auf Neubaustrecken. Eine Verkehrspolitik für die Bürger setze auf Verkehrsvermeidung, den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel, mehr Radverkehr und E-Mobilität. Für die Umgehungsstrasse mit dem vielen Fernverkehr bieten sich Lärmschutzmaßnahmen an. Also Anwohnerschutz im Bestand, statt weiterer Trassen.

Im Gegensatz dazu wollen Straßenplaner neue Straßen und auch der Kirchholztunnel war vorrangig kein Projekt zum Schutz der Reichenhaller Bevölkerung. Sie wollten eine zweite Trasse für den überregionalen Fernverkehr durch Reichenhall bauen. Das Ansinnen der Straßenplaner nach einer zweiten Fernverkehrstrasse durch den Talkessel ist aus deren Sicht verständlich, so Scheuerl. Zwischen dem Gablerknoten und der Kretabrücke kommen zwei Bundesstraßen auf einer Trasse zusammen. Nämlich die B 20 (Burghausen – Berchtesgaden) und die B 21 (vom Walserberg bis Melleck). Eine zweite Trasse (Kirchholztunnel) sollte also her. Anwohnerschutz war nicht mehr als eine Begründung dafür. Selbst nach den Prognosen der Planer hätte der Kirchholztunnel nur eine geringe Entlastungswirkung für die Umgehungsstraße gehabt, weil diese für den überregionalen Verkehr geblieben wäre.

Mehr Verkehr dank Navi

Mehr Straßen bringen mehr Verkehr, so Ulrich Scheuerl, und von Anfang an, also seit 1986 befürchtet die Reichenhaller SPD, dass es durch das Angebot Kirchholztunnel zu Verkehrsverlagerungen von der Autobahn A 8 in unseren Talkessel kommt. Zwischen Salzburg und Innsbruck ist es durch das kleine Deutsche Eck kürzer als über die
Autobahn A 8, aber es dauert länger. Mit dem Kirchholztunnel würde es durch Reichenhall auch noch die schnellere Verbindung sein. Dann würden die Navis ihre Routenempfehlung ändern und zuletzt sind dann beide Trassen voll: die Umgehungsstraße und der Kirchholztunnel. Dafür wollten die Reichenhaller zu Recht nicht die Hand reichen und den Golling opfern. In einem knapp am Quorum gescheiterten Bürgerentscheid stimmten sie mehrheitlich gegen den Bau des Tunnels. Und beim Straßenbauamt in Traunstein würden immer noch die 800 Einwendungen von Reichenhaller und Bayerisch Gmainer Bürgern liegen, die beim Planfeststellungsverfahren vor fünf Jahren gegen das Tunnelprojekt eingereicht wurden. .

Die Alternative für die SPD lässt sich, so Scheuerl, in einem Satz sagen: „Die Umgehungstraße anwohnergerecht machen“ Von wirksamen Lärmschutzmaßnahmen bis hin zu Tieferlegung und Überdeckelung, möglichst durchgehend. Da sei vieles machbar. Der von Max Aicher jetzt gemachte weitere Vorschlag „Auentunnel“ komme dem damaligen SPD-Ansatz ziemlich nahe. Allerdings mit dem Nachteil, dass auch bei der Aicher-Variante die Umgehungsstraße als Erschließungstraße für die Innenstadt erhalten bleibt. Diese Erschließung wolle die SPD aus der tiefer gelegten Strasse heraus mit einem Anschluss „Reichenhall Mitte“ bei der Kurfürstenstrasse erreichen.

Grundwasser nicht das Problem

Wegen der Grundwasserproblematik habe das Straßenbauamt Traunstein vor Jahren den SPD-Vorschlag verworfen. Dass man auch im Grundwasser bauen kann, damit hatte Stefan Scharrer Erfahrung. Die Technik dazu gibt es und sowohl für den Auentunnel als für den SPD-Vorschlag wäre das Grundwasser kein Problem. Der Vorteil für den Auentunnel sei die Realisierbarkeit. Eine Tieferlegung im Bestand sei für die Bauphase schwieriger.

Dafür prognostizierte er beim Auentunnel erheblichen Widerstand wegen der Eingriffe in den Auwald. Und auch er als gebürtiger Reichenhaller wäre gegen diese notwendigen Rodungen. Bezüglich der Verkehrsabwicklung gab er schließlich noch zu bedenken, dass einige Einfahrten in die Innenstadt, die jetzt von der Umgehungsstrasse abzweigen, bei der SPD-Variante über die Münchner Allee bzw. die Kurfürstenstraße ersetzt werden müssten.

Soll man den Vorschlag Auentunnel überhaupt prüfen lassen, war dann die Frage in der Debatte. Die Saalachauen seien tabu, meinten viele. Andere dagegen, der Wald würde sich danach erneuern. In der Abstimmung gab es dann die Mehrheit, beides prüfen zu lassen: Den Auentunnel und die Tieferlegung im Bestand. Und der Kirchholztunnel? Der könne nach 40 Jahren planen und einem erfolglosen Planfeststellungsantrag als gescheitert angesehen werden.




zurück