22.02.2008

Nachruf auf eine alte Buche

Ein Nachruf ist zu wenig, die Buche fiel nicht einem unabwendbaren Schicksal zum Opfer, sondern einer verfehlten Kommunalpolitik und dem Gewinnstreben von Bauträger und Eigentümern. Einer der bemerkenswertesten Plätze Bad Reichenhalls, der Rupertipark mit umliegenden Villen, steht zu Recht unter Schutz. Das ehemalige Caritasheim zusammen mit einigen weiteren Bauten ist dort ein Fremdkörper, von jeher ein städtebaulicher Sündenfall.
Der jetzt aufgesetzte Dachpavillon ist da nur eine gut gemeinte aber unzureichende Garnierung. Die mächtige Buche dagegen konnte diesen Sündenfall halbwegs kaschieren, zusammen mit einer anderen noch nicht so starken Buche in der Westecke des Grundstücks, die man sicherheitshalber erst gar nicht zum Naturdenkmal heranwachsen ließ sondern gleich mit fällte, nachdem jetzt die Motorsägen schon vor Ort waren.
Passiert ist doch folgendes: Für den Bauträger war die große Buche ein Hindernis, alle denkbaren Gründe für ihre Beseitigung von Feuerwehrzufahrt bis Stellplätze mussten herhalten, um den Baum los zu werden. Der Bauauschuss hat gar nicht bemerkt, wem es da an den Kragen ging und was das für die von-Heinlethstraße und Umgebung bedeutet. Er wurde laut Protokoll von der Verwaltung gar nicht auf die Tragweite hingewiesen, weil der gleichfalls alles andere wichtiger war als die Erhaltung der Buche. Die Eigentümer schließlich sahen keinen Anlass, auf die Fällung zu verzichten. Sie brauchen den hässlichen Plattenbau nicht sehen, weil sie ja darin wohnen, sie haben ohne die Buche einen umso besseren Blick auf die benachbarten Villen und Bäume.
Gäste kommen in die Alpenstadt Bad Reichenhall unter anderem wegen der gewachsenen Bausubstanz, die in einigen Teilen bewahrt werden konnte, und dem parkartigen Charakter. Das dürfte eines der wichtigeren Alleinstellungsmerkmale sein. Wegen Plattenbauten, noch dazu durch Entfernung der Bäume besonders ins Auge fallenden, kommen keine Gäste.
Daher genügt ein Nachruf nicht. Erforderlich ist eine Wende in der Kommunalpolitik.

Dr. Wolf Guglhör
Ludwig-Thoma-Str. 18




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Diskussion mit Rainer Arnold, ehem. verteidigungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und Dr. Bärbel Kofler, MdB
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