14.07.2008

Die aufhaltsame Katastrophe

Der Klimawandel – eine aufhaltsame Katastrophe
Umweltstaatsekretär Michael Müller bei Buchvorstellung in Bad Reichenhall


Die Welt steckt im Schwitzkasten. So könnte man die Ergebnisse des UN-Klimarates aus dem Jahr 2007 auf eine Kurzformel bringen. Seit der Veröffentlichung gibt es weltweit kein Thema mehr, das eine so hohe Aufmerksamkeit erfährt wie die Energie- und Klimapolitik. Auf Anregung des Kiepenheuer und Witsch-Verlages hat der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesumweltministeriums Michael Müller zusammen mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern die beschlossenen UN-Papiere erstmals dokumentiert und erläutert. Auf Einladung der örtlichen Bundestagsabgeordneten Dr. Bärbel Kofler kam Michael Müller jetzt nach Bad Reichenhall um das Buch „Der UN Weltklimareport “ vorzustellen. Michael Müller ist SPD-Bundestagsabgeordnete und als Staatssekretär im Umweltministerium der Stellvertreter von Umweltminister Sigmar Gabriel.

Als Sprecher der SPD in der Enquêtekommission „Schutz der Erdatmosphäre“ ist Müller bereits seit 1987 mit dem Thema beschäftigt. Mit dem Klimabericht der UN habe sich 2007 entscheidend geändert, dass die Fakten heute nicht mehr ernsthaft bezweifelt würden. 1.250 Wissenschaftler aus allen Ländern erklären übereinstimmend, dass ein bedrohender Klimawandel stattfindet und dass die Ursachen vom Menschen gemacht sind. Die natürlichen Schwankungen haben in den letzten Jahrhunderten bereits eine relative Warmphase verursacht. Dieser setzt der Mensch mit seinen wirtschaftlichen Aktivitäten noch eine künstliche Warmphase drauf. Mit dem Ergebnis, dass die Extreme zunehmen mit Dürren, Überschwemmungen, Stürmen und Hungersnöten.

Michael Müller ist aber auch optimistisch genug, dass die Menschen die schlimmsten Folgen zumindest noch eindämmen können. Deshalb habe er dem Buch auch den Untertitel „Bericht über eine aufhaltsame Katastrophe“ gegeben. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Menschheit die Probleme nicht nur erkennt, sondern sie wirklich durchdringt. Wenn derzeit mehr über die hohen Energiepreise als über den Klimawandel diskutiert werde, sei man noch weit von der wirklichen Problemerfassung entfernt.

Aufgabe der Demokratie in der jetzigen Situation sei, vorausschauend die Chancen und Gefahren der Zukunft zu erkennen und ein Leitbild zu entwickeln wie das wirtschaftliche Handeln mit Klimaschutz ins Gleichgewicht gebracht werden kann. Für die Sozialdemokraten sieht Müller noch als zusätzliche Aufgabe, den erforderlichen Umbau sozialverträglich und möglichst krisenfrei zu gestalten. So wie die SPD in der Aufstiegsphase Deutschlands nach dem 2.Weltkrieg zur Partei der „Bildungsgerechtigkeit und des zweiten Bildungsweges“ wurde, müsse sie jetzt die soziale Gerechtigkeit mit der Umweltfrage verknüpfen.

Wie die Energie- und Klimaproblematik schnell zur sozialen Frage werden könne, zeige sich bei der momentanen Preisentwicklung auf dem Energiesektor. In der Diskussion führte das zur Frage der Zukunft der Atomkraftwerke und ob mit einer Verlängerung der Laufzeiten für den Klimaschutz etwas erreicht werden kann. Damit haben sich, so Michael Müller, im Teil 3 des Klimaberichtes auch die UN-Wissenschaftler auseinandergesetzt und seien zu der Erkenntnis gelangt, dass Atomkraft kein Weg zu mehr Klimaschutz bedeute. Alleine schon die hierfür erforderliche Menge an neuen Atomkraftwerken sei unrealistisch und würde sofort auch die Begrenztheit des Brennstoffes Uran erweisen. Die entscheidenden Handlungsfelder seien laut Klimabericht der sparsame und effiziente Umgang mit Energie, die erneuerbaren Energien und nicht zuletzt der Schutz von Wäldern und Böden.

Roman Niederberger berichtete in der Diskussion vom Landestreffen der bayerischen SPD, bei dem sich die Delegierten für einen offensiven Wahlkampf zu Gunsten der erneuerbaren Energien und gegen den erneuten Einstieg in die Atomkraft aussprachen: „Diese Auseinandersetzung mit der CSU als Hauptbefürworter der Atomkraftwerke wollen wir führen“, so der Kandidat für den Landtag. Die erneuerbaren Energien seien Dank Förderung aus der Zeit der rotgrünen Bundesregierung zu einem Erfolgsmodell weltweit geworden und habe dazu geführt, dass Deutschland in dieser Technologie führend und auf dem Weltmarkt zwischenzeitlich das erfolgreichste Land sei.

Auf die Frage von Roman Niederberger nach den ständigen Attacken gegen die erneuerbaren Energien meinte Michael Müller, dass hier die erfolgreiche Entwicklung bereits soweit fortgeschritten sei, dass sie von ihren Gegnern nicht mehr verhindert werden könnte. Deutschland solle sich mit seiner Sonderrolle in der Energiepolitik nicht als Aussenseiter sondern als Vorreiter verstehen. Wer in der jetzigen Phase weiter oder erneut auf Atomkraft setze, der verhalte sich nach dem Spruch von Erich Kästner: „Sie verloren zwar die Orientierung, dafür erhöhten sie die Geschwindigkeit“.

Buchhinweis: Müller/Fuentes/Kohl: Kiepenheuer und Witsch, Der UN-Weltklimareport, 429 Seiten, Preis 12,95 Euro. Mit einem Vorwort von Umweltminister Siegmar Gabriel.




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