31.10.2008

Lasst den Predigtstuhl in Ruhe!

Bild: guglhör
Den Predigtstuhl nicht zerstören, sondern naturschonend weiter entwickeln

Bad Reichenhall. Seit Jahren wird teils heftig über unterschiedlichste Nutzungen und Baumaßnahmen am Predigtstuhl diskutiert. Für die SPD ist das ein Zeichen dafür, dass es in der Stadt Bad Reichenhall kein Konzept gibt, was dort oben möglich ist und was nicht. Die SPD fordert deshalb Planungsgrundlagen für die Eigentümer von Bahn und Hotel und für mögliche andere Investoren, so das Ergebnis der SPD-Monatsversammlung zum Thema „Predigtstuhl“ mit einem Bericht von Dr. Wolf Guglhör.

Demnach sei die 80-jährige Predigtstuhlbahn mit Berghotel für die Kurstadt eine Attraktion und Sorgenkind zugleich. Seit 1928 ist sie baulich und technisch unverändert in Betrieb. Wirtschaftlich einschneidend sei die Kapazitätsgrenze von 150 Personen pro Stunde in eine Richtung, was maximal 600 Besucher pro Tag ermöglicht. Wie bei allen Bergbahnen liegt die durchschnittliche Auslastung weit darunter. Das neue Management der Bahn will das ändern und greift auf vermeintlich bewährte Rezepte, wie Events und Attraktionen zurück.

Gleichzeitig ist das ganze Lattengebirge für Bad Reichenhall ein wichtiges Landschaftselement und Wassereinzugsgebiet. Als verkarstendes Plateaugebirge ähnlich Reiteralm und Untersberg, nur etwas niedriger und deshalb dichter bewaldet, ist es aber auch empfindlich. Besonders brisant ist der Wassermangel und die Durchlässigkeit gegenüber Abwasser. Guglhör schlägt daher vor, zweifellos erforderliche Modernisierungsmaßnahmen nur dann zu genehmigen, wenn das gewachsene Landschaftsbild und die Bergnatur nicht zerstört wird. Darin bestehe nämlich die Attraktivität und das suchen die derzeitigen Gäste. Ob man nämlich selbst mit großen Investitionen neue Besucherschichten gewinnen würde ohne andere abzuschrecken, sei höchst zweifelhaft. Wer den Rummel sucht, wird woanders hingehen, dafür biete der Predigtstuhl schlechte Voraussetzungen, so Guglhör.

Als Beispiel nannte er die nun abgelehnte Christusstatue und eine mögliche Verlängerung der Röthelbachstrasse bis zum Hotel. Die Strasse sei für ihn ein „Horrorszenario“, für deren Verwirklichung es keine stichhaltigen Argumente gibt. Sowohl als Notweg bei Ausfall der Seilbahn, als auch als Transportweg für den Fall der Renovierung des Hotels gibt es keinen Sinn, weil die Straße im Winter monatelang gar nicht nutzbar wäre und andere Transportmöglichkeiten günstiger als eine millionenteure Straße wären.

Statt auf spektakuläre Einzelinvestition auf Kosten der Landschaft und der Natur setzt die Reichenhaller SPD auf ein Gesamtkonzept mit vielen kleinen Einzelmaßnahmen im Sinne eines sanften Tourismus am Predigtstuhl:
Eine Modernisierung nicht unbedingt von allen Zimmern, auch ein Anbau zusätzlicher Zimmer sind durchaus vorstellbar. Das dürfe aber nicht zu einer flächigen Überbauung des Gipfelbereichs führen.. Vermutlich gibt es auch eine starke und anhaltende Nachfrage gerade nach Zimmern mit dem Charakter eines traditionellen Berghotels, und dafür braucht man keine großen Investitionen. Sollte sich herausstellen, dass die Kunden alle Komfortzimmer wollen, kann man sich dem immer noch anpassen. Auch für den Materialtransport, Wasser. Abwasser und Müll sind Modernisierungen erforderlich.

Entscheidend wird es sein, ob man genügend Gäste mit entsprechender Kaufkraft gewinnen kann, die am Predigtstuhl etwas finden, was es nicht überall gibt:
Bergwanderer etwa finden ein Paradies ohne langen Anstieg. Naturliebhaber finden weitgehend intakte Bergwälder, Almen, Trockenrasen, Dolinen mit aller nur denkbaren Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Ältere, Genesende oder Behinderte finden günstige Bedingungen zum Wandern und zur Erholung. Eine spektakuläre Aussicht insbesondere bei Sonnenuntergang und –aufgang ist ein besonderes Alleinstellungsmerkmal, das zur Übernachtung animiert. Für umweltbewusste Besucher lässt sich mit einer einmalig günstigen CO² Bilanz werben, nicht zuletzt wegen des nahen Bahnhofs Kirchberg.

Die bereits vorhandenen natürlichen Gegebenheiten müssten aber kundenfreundlich gestaltet werden. Das beginnt bei der Gastronomie, beim Service und bei kundenfreundlichen Betriebszeiten und endet bei Komplettangeboten mit Führungen und Informationen in der freien Natur.
Auch an den Klimawandel sollte man denken und es gibt Touristenpotenziale, etwa aus den arabischen Ländern oder Indien, für die ein verschneiter Bergwald oder eine Schneeballschlacht ein einmaliges Erlebnis darstellt..

Predigtstuhlbahn und –Hotel haben eine Zukunft in naturverträglichen zukunftsfähigen Formen des Tourismus, so die örtliche SPD. Events, kurzfristige Attraktionen und Großbauten lehnt sie deshalb ab. Nach 80 Jahren sind aber Modernisierung und Anpassung in kleinen Schritten zur Gewinnung neuer Gäste notwendig und vertretbar.


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