07.02.2010

SPD-Reichenhall 1892 bis 1933

Die Anfänge der SPD Geschichte in Bad Reichenhall

Gut vierzig Jahre politische Geschichte zwischen 1892 und 1933 in knapp zwei Stunden präsentieren. Rudolf Schamberger hatte sich einiges vorgenommen. Als Fortsetzung eines Vortrags beim Verein für Heimatkunde über die allgemeine Parteiengeschichte in Bad Reichenhall hatte der SPD-Ortsverein in die „Poststuben“ eingeladen, um die eigenen Wurzeln in Bad Reichenhall näher kennen zu lernen.
„Für mich zählt als Quelle nur, was gedruckt ist, Überliefertes und Zeitzeugenberichte sind zu ungenau “, eröffnete Rudolf Schamberger seinen Vortrag nach der Begrüßung durch den SPD-Ortsvorsitzenden Guido Boguslawski. Deshalb war für den Referenten das Archiv des damals noch als „Reichenhaller Grenzbote“ benannten Heimatblatts eine wertvolle Grundlage seiner Arbeit. In der Vorbereitung seines Vortrags hatte er alle Ausgaben der Jahrgänge 1868 bis 1933 selbst gesichtet. Gäbe es nicht seit 170 Jahren eine eigene Zeitung in Bad Reichenhall, wüssten wir über die Anfänge der SPD in Bad Reichenhall kaum etwas, meinte Schamberger.

Obwohl es wohl bereits seit 1890 aktive Sozialdemokraten in Bad Reichenhall gab, wird die SPD vor Ort offiziell das erste Mal im Jahre 1892 erwähnt. In einem Vortrag eines Kaplans bei der damaligen Ortsorganisation des Zentrums, dem „Katholisches Casino“, hatte dieser als Ursachen der Armut --„Genußsucht, Sünde und Müßiggang, Glaubenslosigkeit und Mangel an Gottvertrauen“-- benannt. Bereits drei Tage später erschien das erste Flugblatt der Sozialdemokraten in Bad Reichenhall, was von der Heimatzeitung mit einer ironischen Meldung begleitet wurde.
--" Gestern Abend wurde von einem Unbekannten eine Sozialdemokratische Flugschrift verteilt.
Wir nehmen an, dass das Vaterland sich von diesem Schlag rasch erholen wird------ "
Diese am 14.12.1892 veröffentlichte Polemik ist die erste offizielle Erwähnung der Sozialdemokratie in Bad Reichenhall. In der zeitlichen Nähe des SPD-Flugblattes zu dem
Vortrag über die Armut sieht Schamberger einen Zusammenhang.

„Reichenhall und Traunstein waren damals Schwerpunkte der Sozialdemokratie. Einem 1893 gegründeten Arbeiter-Leseverein traten sogleich 40 Mitglieder bei. Nachdem dieser „sozialdemokratischer Umtriebe“ bezichtigt wurde, mussten dessen Mitglieder in Folge das Vereinslokal räumen, was sich der Wirt eine Konventionalstrafe kosten ließ.

Geprägt wurde die SPD in Bad Reichenhall auch durch ihre Vorsitzenden, wobei der Referent besonders den Dienstmann Georg Hager als ersten Vertrauensmann in der Aufbauphase hervorhob. Sein aus Augsburg stammender Nachfolger Sebastian Stolz übernahm ab 1908 die Führung der Sozialdemokratie in der Kurstadt und trieb mit einer erstmalig eingerichteten Rechtsberatung für Arbeiter und seiner Tätigkeit als Gewerkschafter die gemeinsame Sache voran.

Höhepunkte der politischen Arbeit waren Großveranstaltungen wie beispielsweise 1894, als zu einer Veranstaltung, zu der Georg von Vollmar als Redner angekündigt war, über 500 Menschen erschienen. Die Polizei wies im Vorfeld der Veranstaltung vorsorglich darauf hin, dass Frauen und Minderjährigen die Teilnahme an politischen Kundgebungen verboten ist, ergänzte Schamberger schmunzelnd. Auch die Feiern zum 1. Mai wurden trotz Kündigungsandrohungen der Arbeitgeber und kritischen Kommentaren seitens der Presse regelmäßig von Hunderten von Arbeitern besucht. Als verblendete „Enterbte des Glücks“ wurden die Teilnehmer vom Reichenhaller Grenzboten tituliert.
Die derart Geschmähten zeigten Flagge für Recht und Freiheit, als sie 1900 als einzige politische Kraft eine Gedenkfeier für die "Freiheitskämpfer" der „bürgerliche Revolution“ von 1849 in der Kurstadt organisierten. Aber auch menschliches und allzu menschliches sparte Rudolf Schamberger in seiner Chronik nicht aus: so wurde der Wirt der Gaststätte „Blaue Traube“ von sozialdemo-kratischen Gewerkschaftern kurzerhand verprügelt, weil er die Vereinskasse veruntreut hatte.


„Besonders die Kämpfe aus der Zeit von Sebastian Stolz erinnern an unsere heutigen
Diskussionen“, stellte der Referent dar. Wo die SPD heute für einen gesetzlichen Mindestlohn streite, habe man damals um eine Erhöhung der sogenannten ortsüblichen Taglöhne gekämpft. Auch beim Einsatz für eine allgemeine örtliche Krankenkasse und der Kritik an einer Senkung der Erbschaftsteuer bei gleichzeitiger Erhöhung der Verbrauchsteuern sah er Themen aus alten Tagen heute wiederkehren.

Für Erheiterung bei den Zuhörern sorgte die Argumentation, mit der der Magistrat 1910 die Schaffung eines von den Gewerkschaftern geforderten Volksbrausebades in Bad Reichenhall ablehnten: Demnächst sei ohnehin die Stauung des Saalachsees abgeschlossen, das wäre
zunächst ausreichend.
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Sebastian Stolz war es auch, der während der bewegten Tage der Räterepublik in Bad Reichenhall, als Vorsitzender des Arbeiterrates, durch Besonnenheit für Ruhe sorgte. Die 1920er Jahre waren von einer zunehmenden Erstarkung der NSDAP auch in Bad Reichenhall geprägt. Der SPD Landtags-kandidat und Stadtrat Hans Gugg musste als einer seiner Nachfolger 1933 einen hohen Preis für sein sozialdemokratisches Engagement zahlen und wurde nach der Machtübernahme von den Nationalsozialisten verhaftet.

Rudolf Schamberger schloss seinen Vortrag, indem er ein Foto von Hans Gugg präsentierte und aus einem Leserbrief von Sebastian Stolz von 1919 zitierte. Dieser schrieb damals, dass nach dem Ersten Weltkrieg die alten politischen Kräfte neue Parteien gründeten und sich nun auch Volkspartei nannten, so beispielsweise die Bayerische Volkspartei. „Die einzige echte Partei des Volkes ist und bleibt aber die SPD", schrieb Sebastian Stolz damals.






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