14.05.2011

Wieder Planungen zum Kirchholztunnel

Bild: Golling
Stellungnahme Kirchholztunnel 2011

Seit etwa 30 Jahren gibt es Pläne für eine Ortsumfahrung von Bad Reichenhall, das sog. Kirchholztunnel. Seit dieser Zeit hat einerseits das Verkehrsaufkommen (Transit- und Ziel- und Quellverkehr) im Kleinen Deutschen Eck zugenommen, andererseits konnte vor einigen Jahren ein LKW-Nachtfahrverbot durchgesetzt werden, was eine spürbare Entlastung für die gesamte Region bedeutet. Seit dem Beitritt Österreichs zur EU können die österreichischen Frächter die Autobahn ungehindert benutzen. Dieser Wegfall der Kontingentierung auf der Autobahn hat zu einer weiteren Verlagerung vom Kleinen Deutschen Eck auf die BAB beigetragen.
Im Jahr 2000 wurde das Planfeststellungsverfahren eingeleitet, 2004 wurde das Projekt in den weiteren Bedarf zurückgestuft. In der Folge der Olympiabewerbung von München, Garmisch und Berchtesgaden wurden die Planungen 2010 wieder aufgenommen. Das Planfeststellungsverfahren läuft derzeit.

Die örtliche SPD war von Beginn an gegen das Kirchholztunnel-Projekt aus folgenden Gründen:

- Es ist abzusehen, dass an Stelle der erhofften Entlastung unseres Talkessels eine weitere Steigerung des Verkehrsaufkommens eintritt, da mit dem Straßenneubau zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden. Außerdem ist eine Verlagerung des Verkehrs von der Autobahn auf die B 20/21 zu befürchten, da die Strecke Salzburg-Innsbruck auf österreichischer Seite bereits bestens ausgebaut ist. Mit dem Kirchholztunnel wird wieder ein Nadelöhr beseitigt und diese Strecke zur kürzesten und dann auch schnellsten Verbindung, die den Verkehr, der der Autobahnmaut ausweichen will, geradezu anzieht. Wenn überhaupt wird eine Entlastung der bestehenden Umgehungsstraße nur vorübergehend sein, denn bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass der Quell- und Zielverkehr, also das „hausgemachte“ Verkehrsaufkommen den größten Anteil stellt.
- Nach den derzeitigen Planungen wird es erhebliche Eingriffe in die Landschaft geben. Am Tunneleingang im Norden wird eine große Grünfläche zerschnitten. Der Tunnelausgang im Süden zerstört ein beliebtes Naherholungsgebiet. Für das Brückenbauwerk am Südausgang sind nach den bisherigen Planungen keine Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen, obwohl die Wohnbebauung in unmittelbarer Nähe beginnt.
- Ein weiterer Punkt sind die bisher veranschlagten Kosten von 122 Millionen EUR. Dieser Kostenaufwand steht u. E. in keinem Verhältnis zu den fragwürdigen Entlastungen für Bad Reichenhall, die Nachbarorte profitieren überhaupt nicht davon.
- Die Argumentation mit den Olympischen Spielen ist völlig an den Haaren herbeigezogen. Die Bob- und Rodelbewerbe sind bei den Zuschauern nicht so beliebt wie Langlauf oder Ski Alpin. Daher wird sich der Zustrom in Grenzen halten. An der Bobbahn finden maximal 8000 Zuschauer Platz. Berchtesgaden ist erschlossen durch Straßen aus Richtung Bad Reichenhall und aus Richtung Salzburg. Außerdem gibt es eine Bahnlinie. Wegen eines Sportevents von 14 Tagen eine solche Maßnahme wie das Kirchholztunnel zu bauen, ist nicht nachvollziehbar. Wenn die Spiele im Berchtesgadener Land als besonders umweltfreundlich „verkauft“ werden sollen, dann muss es statt einer Erleichterung und Vermehrung des Autoverkehrs ein perfektes ÖPNV-System geben.
- Die B 20/21 ist die Transitstrecke durch das Kleine Deutsche Eck. Zwischen Bad Reichenhall und Unterjettenberg musste diese in letzter Zeit wegen Lawinen und Murenabgängen mehrfach gesperrt werden. Seit letztem Jahr ist eine Lawinengalerie geplant. Nach Aussage des Leiters Straßenbauamt Traunstein kann diese Maßnahme auch 2011 wieder nicht begonnen werden, da die Mittel fehlen. Es wäre ein Schildbürgerstreich, wenn der Kirchholztunnel gebaut würde, die bestehende Transitstrecke, die an den teueren Tunnel anschließt, aus Kostengründen nicht gesichert wird.





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