28.05.2011

Kirchholztunnel

SPD-Veranstaltung zum Kirchholztunnel:
Einhellige Ablehnung der Pläne beim „Pfaffei“
Der Golling wird unwiederbringlich zerstört - Nutznießer sind nur die Frächter



Das Gasthaus Gruttenstein zum Pfaffei am Florianiplatz war voll besetzt bei der SPD-Veranstaltung zum Kirchholztunnel und die Ablehnung der Planungen war einhellig. Es werde keine Nutznießer geben außer den österreichischen Frächtern, aber viele Verlierer. In der Versammlung wurde deshalb besonders die Frage nach Möglichkeiten des Widerstandes in der jetzigen Situation gefragt. Wie kann man Einwendungen machen und ob man nicht direkt oben am Golling Protestaktionen machen sollte. Gustav Starzmann von der SPD ermunterte die Anwesenden dazu, das Eingaberecht bis 15. Juni zu nutzen und nicht erst, wie bei Stuttgart 21, zu protestieren, wenn die Baufahrzeuge anrückten.

Zunächst erläuterte Elli Reischl von der SPD die neuen Pläne des Straßenbauamtes. Diese liegen derzeit mit ausführlichen Erläuterungen im Reichenhaller Rathaus aus. Bildern von blühenden Wiesen stellte Elli Reischl die zukünftigen Kreuzungsbauwerke gegenüber. Weil das Straßenbauamt alle Verkehrsbeziehungen kreuzungsfrei gestalten wolle, müssten für die drei geplanten Bauwerke gravierende Eingriffe in die Natur vorgenommen werden. Am Golling würde eine über die Bahngleise hinweg zum Berg hin ansteigende Brücke hoch über den Häusern für entsprechende Lärmbelästigungen in der Oberstadt sorgen. Schallschutzvorrichtung seien keine geplant außer „lärmabsorbierenden Auskleidungen“, um den Tunnelknall der einfahrenden Fahrzeuge zu verhindern.

Auch die vom Straßenbauamt genannten Ziele der Maßnahme für die Stadt zeigte die Referentin auf. Danach würde das Stadtgebiet von Bad Reichenhall „von Verkehr und den damit verbundenen Lärm- und Schadstoffemissionen entlastet“. Die Umgehungsstraße könne vom Schwerverkehr entlastet und der Ziel- und Quellverkehr vom Durchgangsverkehr getrennt werden. Weiters nenne das Straßenbauamt die Entlastung der BGL 4 durch das Leopoldstal und mehr „Sicherheit und Leichtigkeit“ des Verkehrs im Allgemeinen. Die Prognosezahlen für das Jahr 2025 mit und ohne Kirchholztunnel nannte Elli Reischl für das Stadtgebiet aber als enttäuschend. An den Zählstellen in der Mooshammerkurve, bei der Rupertustherme und in der Münchner Allee werde erheblicher Verkehr verbleiben. So in der Mooshammerkurve 26.700 und an der Therme noch rund 20.000 Fahrzeuge täglich. Für den Tunnel selbst prognostiziere das Amt 19.800 Fahrzeuge.

Dabei sei noch nicht abzuschätzen, ob mit dem neuen Tunnel das bestehende Nachtfahrverbot für das kleine deutsche Eck erhalten bleibe. Und zu befürchten sei, dass der Tunnel einen erheblichen Mautausweichverkehr von der Autobahn zur Strecke über Reichenhall/Lofer zur Folge hätte. Der Kirchholztunnel würde so für Fuhrunternehmen im österreichischen Ost-Westverkehr zu einer Einladung: schneller, kürzer, billiger. In der Diskussion befürchtete Michael Gomse den Fall des Nachfahrverbotes: „Es wird doch nicht ein Tunnel für 200 Millionen Euro Steuergelder gebaut, der dann in der Nacht für LKW’s zugesperrt wird“. Zusammen mit der Brücke über das Bahngleis werde am Golling „hoch über den Köpfen der Oberstadtler“ dann rund um die Uhr der LKW-Verkehr rollen.

Weil es auch nach den Planunterlagen keine wirklichen Nutznießer gibt, das Tunnel aber große Schäden für die Natur, den Kurort und die betroffenen Anwohner bringe, werde er, so der SPD-Stadtrat Wolf Guglhör, im Stadtrat das Vorhaben ablehnen. Jetzt vor der Abstimmung noch auf die Stadträte „zuzugehen“, forderte auch Paul Grafwallner vom Bund Naturschutz (Kreisgruppe). Die Zeiten, in denen Parteien automatisch gewählt werden, seien mittlerweile auch in Bayern vorbei. Mit Blick auf die zukünftigen Wahlen sei es durchaus sinnvoll, die Stadträte anzusprechen.

Mit Manuela Manke meldete sich auch eine junge Mutter zu Wort, um auf die Bedeutung des Golling speziell für die Kinder hinzuweisen. Sie selbst habe „da oben“ schon Skifahren gelernt. Und als Kindergärtnerin des Kindergartens St. Nikolaus „gehen wir mit den Kindern immer da rauf“ und mit den Kindern habe sie sich auch schon für den Erhalt des Skiliftes eingesetzt. Würde der Golling zerstört, wäre unwiederbringlich ein Platz für die Kinder der künftigen Generationen dahin, so Frau Manke.

Weitere Themen der Diskussion waren noch die Abluft aus den Tunnels, die Begründung des Projektes mit den Olympischen Spielen, der Fremdenverkehr und die Solequellen. Peter Renoth aus Bayerisch Gmain zitierte dazu aus den Planunterlagen, dass „eine Beeinträchtigung der Solequellen mit großer Wahrscheinlichkeit auszuschließen“ sei. Dies sei ihm in Bezug auf die Bedeutung der Quellen für den Kurbetrieb zu wenig Sicherheit. Gravierend sei auch die Aussage „eine Nutzung der Solequellen zu Trinkzwecken oder dergleichen sollte während der Bauzeit aus grundsätzlichen Gründen unterbleiben“. Dies würde den Kurbetrieb empfindlich stören und einen erheblichen Schaden bedeuten.

Nachdem sich in der Versammlung kein Befürworter des Tunnels zu Wort gemeldet hat, konzentrierte sich die Diskussion schließlich auf die Frage, „was kann man tun“ und Fritz Derwart wollte wissen, wer kann sich wehren und wohin müsse man sich wenden? Gustav Starzmann erläuterte dazu das Verfahren. Noch bis 15. Juni 2011 könne jeder Einzelne, seine möglichen Einwendungen schriftlich (auch handschriftlich) niederlegen. Jeder, der Befürchtungen hat oder Fehler in den Planunterlagen findet kann sich beteiligen. Alle möglichen Themen, von der Einschränkung des Kurbetriebes während der Bauphase, den hohen Kosten für den Steuerzahler, Befürchtungen zu Lärm und Abgasen bis hin zum Verlust des Lebensraumes für einzelne Tierarten kann alles angeführt werden. Das Schreiben sei zu richten an die Regierung von Oberbayern, Sachgebiet 32, Maximilianstraße 39, 80538 München. Man könne das Schreiben aber auch an die Stadt Bad Reichenhall richten oder im Rathaus abgeben. Im Herbst 2011 wird es dann einen öffentlichen Erörterungstermin zu allen Einwendungen geben.







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