09.02.2012

Adelheid Rupp zu Besuch im Seniorenwohnen Bad Reichenhall-Kirchberg

Bad Reichenhall. Drei Senioreneinrichtungen betreibt die Sozialservice-Gesellschaft des Bayerischen Roten Kreuzes in Bad Reichenhall. Und es könnte ein weiteres Projekt hinzukommen. Andreas Büchner, der Leiter des Seniorenwohnen Bad Reichenhall-Kirchberg, kann sich durchaus vor-stellen, als Kooperationspartner zusammen mit der Stadt in Reichenhall ein Vorhaben für alternative Wohn- und Lebensformen im Alter zu schaffen. Dieses Angebot unterbreitete der Einrichtungsleiter der Reichenhaller OB-Kandidatin Adelheid Rupp, die bei einem Besuch in Kirchberg auch das Thema alternative Wohnformen angesprochen hat. Das Angebot, so Adelheid Rupp, müsste eine Lücke füllen: „Eine Lücke zwischen Vereinsamung in der eigenen Wohnung und dem Umzug in ein Altenheim“.

Das Seniorenwohnen Bad Reichenhall-Kirchberg ist derzeit bei einer Kapazität von 173 Plätzen mit 161 Bewohnern gut ausgelastet. 23 Bewohner davon sind ziemlich rüstig, alle weiteren sind mehr oder weniger auf Hilfe angewiesen und benötigen Unterstützung bei den Aktivitäten des täglichen Lebens. Der Personalbedarf variiere stark zwischen den Wohnbereichen, je nach dem Pflegebedarf auf dem jeweiligen Wohnbereich. Seit Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1996 habe es leider keine Verbesserungen beim Personalschlüssel gegeben, der Doku-mentationsaufwand aber erheblich zugenommen. Zwischenzeitlich binde dieser Aufwand ein Drittel der täglichen Arbeit des Pflegepersonals. Und wenn die Dokumentation unvollständig ist, gilt die Pflege als mangelhaft, selbst wenn die Bewohner mit der Pflege vollkommen zufrieden sind, so Andreas Büchner zu den Vertretern der Reichenhaller SPD bei ihrem Rundgang.
Ein Altenheim bewege sich heute in einem Spagat zwischen den Bewohnern, den Angehörigen, Personalsorgen und der Aufsicht bzw. den gesetzlichen Vorschriften. Und dies alles unter dem Diktat des Budgets. So werde derzeit mit einem Aufwand von einer sechsstelligen Summe das Haus in Kirchberg umgebaut, um den Brandschutzbestimmungen nachzukommen.


Im Gespräch mit Pflegekräften erkundigte sich die OB-Kandidatin der SPD über ihre Situation und würdigte ihren Einsatz in diesem Beruf, der enorme körperliche und seelische Belastungen mit sich bringe. Ihre Frage, ob es möglich sei die Bewohner gemäß ihrer Fähigkeiten und Berufserfahrungen mithelfen zu lassen, damit Kosten gespart und dem Gefühl der Entmündigung vorgebeugt werden könnte, musste der Altenheimleiter verneinen. Dies würde man gerne machen, aber der Ablauf eines solchen Heims lasse dies nicht zu und letztlich würden die „Overheadkosten“ die Einsparungen übersteigen. Sollte es dafür allerdings einmal Mittel geben, würde das gemacht.

Dass die Lage der Betreibergesellschaften von Senioreneinrichtungen solche unbefriedigenden Situationen schaffen, wollte Adelheid Rupp nicht verkennen. Gleichzeitig könnte sie den älteren Menschen heute nicht verdenken, möglichst lange in ihrer Wohnung bleiben zu wollen. Dort seien sie mit zunehmendem Alter aber auch nicht immer glücklich. Bei ihren Hausbesuchen stelle sie oftmals eine Vereinsamung der Menschen zu Hause fest. Darauf ist sie auch schon angesprochen worden. Die Aussage „Sie sind seit vier Wochen die Erste, mit der ich mich unterhalte“, blieb ihr besonders in Erinnerung. Und wenn in Bad Reichenhall rund 48 % der Bevölkerung älter als 60 Jahre ist, dann müsse hier über neue Wohn- und Lebensformen im Alter nachgedacht werden: „Wenn nicht in Reichenhall, wo dann?“, so Adelheid Rupp.

Die SPD-Kandidatin kündigte bei ihrem Besuch in Kirchberg ein Fachgespräch mit Brigitte Meier, der Sozialreferentin der Landeshauptstadt München zum Thema „Wohnen im Alter“ an. Frau Meier, die auch sozialpolitische Sprecherin der Münchner SPD-Stadtratsfraktion ist, berichtet dabei von ihren Erfahrungen aus der Stadt München und welche Möglichkeiten die Kommunen haben, diese Wohnformen in die Wirklichkeit umzusetzen. Die Veranstaltung, die sich an Fachleute wendet, findet am Donnerstag, 23. Februar im Kurmittelhaus der Moderne statt. Beginn ist 17 Uhr.





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