22.04.2012

Gedankenaustausch zur Energiewende

Gedankenaustausch zwischen SPD und Bund Naturschutz zur Energiewende
Fehlende Konzepte führen im Landkreis zu unsinnigen Projekten


Ein Jahr nachdem die Regierung Merkel in Berlin die Energiewende ausgerufen hat, üben SPD und Bund Naturschutz Kritik an den bisherigen Ergebnissen. Bei einem Treffen der Kreis-SPD mit Vertretern des BN wurde das Fehlen eines Energiekonzepts in Berlin und als Folge daraus voreiliges Agieren im Landkreis kritisiert. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler stellt in Frage, ob die Energiewende überhaupt ernsthaft gewollt, oder die Regierung es sogar in Kauf nimmt, dass das Projekt Atom-ausstieg gegen die Wand fährt. Die Wende droht zu scheitern, so die Abgeordnete und fügte hinzu, „die Atomkraftwerke stehen ja noch“. Und Rita Poser, die Kreisvorsitzen-de des Bundes Naturschutz hat derzeit alle Hände voll zu tun, unsinnige Einzelmaß-nahmen mit gravierenden Auswirkungen für Natur und Umwelt zu verhindern. Das Treffen von SPD und BN wurde vereinbart, um die Umsetzung der Energiewende im Landkreis kritisch zu hinerfragen und eine Energiekonzeption auszuloten.

Dr. Kofler erinnerte bei diesem Treffen noch einmal an die von Union und FDP erst beschlos-sene Verlängerung der AKW-Laufzeiten, um wenige Monate später, nach Fukushima, gleich wieder den Ausstieg zu beschließen. Eigentlich hätten in der Folge die Energieziele im Ein-zelnen angepasst werden müssen. Geschehen sei aber nur, dass es beim Ausbau der Fotovol-taik keine Planungssicherheit mehr gibt und die Kürzungen der Fördersätze sich überschla-gen. In der Bevölkerung sei eine riesige Bewegung für den Ausbau der PV-Anlagen zu erken-nen und demnächst könnte es in Bayern ein Volksbegehren „Pro Energiewende“ geben.

Bezüglich der vor Ort diskutierten Pumpspeicherwerke war die Ablehnung bei SPD und BN einhellig. Fraglich seien sowohl die Zukunftsfähigkeit als auch die langfristige Rentabilität dieser PSW. Durch den Zubau der PV-Anlagen werden die Verbrauchsspitzen in der Mittags-zeit eingeebnet. Diese Lastspitzen haben bisher für die guten Erträge der mit billigem Nacht-strom gefüllten Pumpspeicher gesorgt.

Dieses Geschäftsmodell könnte bald hinfällig sein und durch das Projekt „Wind zu Gas“ er-wachse in den nächsten Jahren eine Alternative für die Energiespeicherung, die für die Schwankungen bei den regenerativen Energien besser geeignet ist. Dr. Ernst Billmeier vom kürzlich neu gewählten Vorstand der Ortsgruppe des BN zweifelte den immer wieder genann-ten 80%igen Wirkungsgrad der PSW an und durch den Betrieb würde der Wirkungsgrad lau-fend zurückgehen. Auch wies er mit Nachdruck darauf hin, dass es bisher keinerlei Erfahrung beim Betrieb von PSW unter Einsatz regenerativer Energieformen gibt.

Die Themen Energieeinsparung, etwa durch Gebäudesanierung, sowie Energieeffizienz seien bei der Debatte zur Energiewende vollkommen unterbelichtet, meinte die Kreisvorsitzende des BN, Rita Poser. Und was der Landkreis an welchen Standorten zur Energiewende beitra-gen soll, sei unklar. Deshalb will der örtliche Naturschutzverband die Einzelmaßnahmen im BGL kritisch auf ihre Naturverträglichkeit prüfen. So sei derzeit ein besonders unsinniges Projekt am Hintersee geplant. Für ein Wasserkraftwerk mit gerade mal 47 Kilowatt, also in der Größenordnung eines kleinen Automotors, solle im Zauberwald quer durch die großen Gesteinsblöcke eine Druckrohrleitung mit einem Meter Durchmesser verlegt werden. Der BN erfahre hier Unterstützung und öffentliches Interesse, aber ganz verhindert sei „dieser Un-sinn“ noch nicht.

Bei der Energiewende habe er „zwei Herzen in seiner Brust“, meinte Paul Grafwallner vom Kreisvorstand des BN und brachte damit wohl ein Problem aller Anwesenden zur Sprache. Als Befürworter des Atomausstieges sieht man sich vor Ort konfrontiert mit Folgen, die kri-tisch gesehen werden müssen. Wie die SPD sei auch der BN hier noch mitten in der Diskussi-on. So habe der örtliche BN-Kreisverband für die Landeskonferenz einen Antrag auf generelle Ablehnung neuer Pumpspeicherwerke zur Diskussion und Abstimmung gestellt. Die Landes-konferenz des BN in Bayern findet Ende April statt und auf das Ergebnis könne man gespannt sein. Beim Thema Windkraft ist zu begrüßen, dass es hier mit der Regelung „keine Windan-lagen südlich der Autobahn“ eine Vorgabe gibt. Dabei kritisierte er das Vorhaben der Grünen, die den Regionalplan dahingehend ändern wollen, dass Windräder grundsätzlich auch südlich der Autobahn möglich wären.

Hans Metzenleitner, der Initiator des Treffens mit dem BN, bestätigte die Zweischneidigkeit der Diskussion, die auch für die SPD-Mitglieder gelte, um sogleich aber den Ball weiter-zugeben an die politischen Gremien von Bund, Land und dem Landkreis. Es gibt keine Rich-tung, keine Planung und die Zuständigkeiten sind ungeklärt. Er forderte umgehend Potenzial-analysen und Konzepte statt politischer Schnellschüsse. Und die Energiewende müsse trans-parent erfolgen um die Menschen mitzunehmen. Er habe jedoch eine starke Skepsis, ob das bei der jetzigen politischen Konstellation überhaupt möglich ist.

Die soziale Frage der Energiewende wollte der SPD-Kreisvorsitzende Roman Niederberger nicht ausgespart lassen. Steigende Energiepreise, ob als Folge der knappen Resourcen oder der Investitionen für die Wende, müssen besonders für die sozial Schwachen erträglich blei-ben. Allen müsse das Recht auf Mobilität zugestanden werden und die Heizkosten müssen auch für Geringerverdiener und Rentner im bezahlbaren Rahmen bleiben. Hier seien natürlich Sozialdemokraten gefordert.





Auf dem Bild vom Treffen des BN mit der Kreis-SPD:
Ute Billmeier, die neue Vorsitzende der Reichenhaller Ortsgruppe, Paul Grafwallner vom BN-Kreisvorstand, die BN-Kreisvorsitzende Rita Poser, die SPD-Abgeordnete Dr. Bärbel Kofler, SPD-Fraktionsvorsitzender Hans Metzenleitner und der Kreisvorsitzende Roman Nie-derberger.






zurück