29.10.2012

Grundstückverkauf der Stadt auf dem Prüfstand

SPD zum Thema Verkauf des Hofwirts:
Eine Chance für bezahlbare Wohnungen oder einen Tourismusleitbetrieb

Die Stadt ist kein Immobilienspekulant. Dies sollte nach Auffassung der Reichenhaller SPD auch bei den jetzt bekannt gewordenen Plänen zur Veräußerung des Hofwirts und des angrenzenden Wiesengrundstücks zum Tragen kommen. Städtischer Grundbesitz sollte immer auch im Sinne des Gemeinwohls verwendet werden. Etwa um bezahlbaren Wohnraum für junge Familien und Geringverdiener zu schaffen. Oder, wie im Fall des Hofwirts, um der touristischen Entwicklung Schwung zu verleihen. Bei einer ganztägigen Klausur im Haus Hohenfried erörterte die Reichenhaller SPD im Rahmen der Programmarbeit das Thema Stadtentwicklung und Tourismus. In der Sache kann sich die SPD eine Zustimmung zum Verkauf vorstellen. Nicht aber, wenn dabei die angrenzende Wiese zum Spekulationsobjekt für teure Eigentumswohnungen würde, nur um einen guten Verkaufpreis zu erzielen.

Guter Wohnraum ist in Reichenhall teuer. Und die Liste der Wohnungssuchenden bei der städtischen Wohnbaugesellschaft ist lang, so die im WBG-Ausschuss tätige Stadträtin Güldane Akdemir bei der Klausurtagung. Junge Familien wandern ab oder können erst gar nicht kommen. Bezahlbare Wohnungen werden auch gebraucht, weil nicht mehr Wehrpflichtige, sondern Berufssoldaten mit Familien nach Reichenhall kommen, ihren Dienst zu leisten. Güldane Akdemir plädierte deshalb dafür, das Grundstück zu verwenden um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Etwa in Form von Sozialwohnungen, gebaut von der städtischen Wohnbaugesellschaft, so Güldane Akdemir.


Wolf Guglhör, der Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion gab zu bedenken, dass mit dem Verkauf des Hofwirts die Auflage sinnvoll und notwendig sei, das historisch wertvolle Objekt zu sanieren und als Hotel weiterzuführen. Es könne schwierig werden, einen Investor zu finden, wenn man auch noch günstigen Wohnraum für Familien fordere. Er könne sich vorstellen, dass die SPD einem Verkauf zustimmt, wenn in dieser besonderen Lage eine große Hotelanlage der gehobenen Kategorie geschaffen würde. Die Forderung nach zusätzlichen Hotelangeboten im Vier-Sterne-Bereich werde seit Jahren, nicht zuletzt von der Kurdirektorin, erhoben. Berchtesgaden habe gezeigt, dass ein Leitbetrieb in guter zentraler Lage einem ganzen Ort neuen Schwung geben kann. Sollte Reichenhall die Gelegenheit mit dem im städtischen Besitz befindlichen Grundstück nicht nutzen können, wäre dies eine verpasste Chance für den Kurort, so Guglhör.


"Nur verkaufen wäre zu einfach", meinte auch der SPD-Ortsvorsitzende Guido Boguslawski. Grundstücke bevorraten sollten Städte und Gemeinden nach ihren Möglichkeiten immer. Aber nicht, um später bloß einen finanziellen Nutzen daraus zu ziehen. Eine Stadt hat ihre Grundstücke immer im Dienste der Menschen und der örtlichen Wirtschaft zu nutzen, zitierte er die SPD-Programmatik. Der Ortsvorsitzende fasste die Ansicht der hiesigen SPD zusammen, dass keinesfalls die Wiese mit Eigentumswohnungen zugebaut werden dürfe, während gleichzeitig der Traditionsbetrieb Hofwirt nur notdürftig restauriert werde und trotz vertraglicher Auflagen verfällt.




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