04.07.2013

Sepp Distlberger mit 92 Jahren gestorben

Nachruf auf einen Mitstreiter

Viele Jahre war Sepp Distlberger das Gesicht der Gewerkschaft des Berchtesgadener Landes. Es war die Zeit, als der Deutsche Gewerkschaftsbund noch in fast jedem Landkreis einen eigenen hauptamtlichen Gewerkschaftssekretär samt Büro und Sekretärin hatte. Dort im Haus am Tiroler Tor in Bad Reichenhall war er die Anlaufstelle der Arbeiter und Angestellten für ihre Fragen zu Arbeitsrecht und Tarifen bis hin zur Hilfe bei der Beantragung der Rente. Im Alter von 92 Jahren ist Sepp Distlberger nun verstorben.

Geboren am 17.3.1921 in Palling im Landkreis Traunstein führte ihn der Beruf nach München, wo er eine Lehre zum Buchbinder absolvierte. Nach den Kriegsjahren als Sanitäter verschlug es Distlberger nach Wels in Oberösterreich, wo er auch seine Frau kennenlernte. Ab 1946 wurde Bad Reichenhall seine Heimat. Hier konnte er eine Anstellung als Buchbinder beim Südostkurier (dem heutigen Reichenhaller Tagblatt) unter dem damaligen Herausgeber Josef Felder finden. Später arbeitete er 20 Jahre lang beim Langenscheidt Verlag in Berchtesgaden. Seine Tätigkeit als Betriebsrat und aktiver Gewerkschafter in diesem Verlag führte ihn dann zu seiner hauptamtlichen Tätigkeit als DGB-Kreisvorsitzender für das Berchtesgadener Land.

Sein soziales Gewissen und sein feines Gespür für das was gerecht und was ungerecht ist, hat ihn zu vielen weiteren Ämtern in seinem Leben gebracht. So war er neben seiner Tätigkeit im Vorstand der AOK Bad Reichenhall auch ehrenamtlicher Richter sowohl am Arbeitsgericht als auch am Sozialgericht. Als Versichertenältester bei der LVA war er die erste Anlaufstelle für die Rentenantragstellung und die Prüfung des Bescheides, ob auch alle Beitragszeiten wirklich gewürdigt wurden, was nach dem Krieg mit den vielen verlorenen Unterlagen nicht immer einfach war. In der SPD in Bad Reichenhall half er aus bis hin zum Plakate kleben und war auch für eine Periode von 6 Jahren im Stadtrat vertreten. Schließlich war Sepp Distlberger jahrelang auch Mitglied des Vorstandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bad Reichenhall.

Sein vielfältiges Engagement und sein Einsatz, besonders für sozial Schwächere brachte ihm schließlich das Bundesverdienstkreuz am Bande ein. Überreicht wurde es ihm von der damaligen bayerischen Sozialministerin Barbara Stamm. Die Reichenhaller SPD und der Deutsche Gewerkschaftsbund trauern um ihren langjährigen Mitstreiter.




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