14.01.2014

Wahlkampfstart der SPD Bad Reichenhall

Bild: Kandidaten untergeh.2
Die Stadtratskandidaten bei bester Stimmung
Zwei Monate vor der Stadtratswahl startet die Reichenhaller SPD mit einer Klausurtagung in den Wahlkampf. Der 2. Bürgermeister der Stadt, Manfred Adldinger stimmte die Kandidatenrunde mit einer Bestandsaufnahme über den Zustand der Stadtpolitik ein und informierte über die Lage der städtischen Finanzen. Versprechungen an die Wähler, wie sie in Wahlkämpfen oft gemacht werden, seien in Reichenhall unangebracht, so Adldinger. Eine nüchterne Bestandsaufnahme und bittere Wahrheiten seien angesagt. Und dazu wäre besonders die seit Jahren bestimmende CSU mit ihrem CSU-Bürgermeister aufgerufen. „Bad Reichenhall ist nicht in einer momentanen Krise, sondern in einem dauerhaften strukturellen Dilemma“.

Ein strukturelles Defizit bestehe, wenn die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben langfristig auseinander gehen. Bad Reichenhall lebt seit Jahren über seine Verhältnisse. Jetzt schon ist der Bereich Kur und Tourismus für die Stadt hoch defizitär und zukünftig werden weitere Anteile des Staatsbades vom Land Bayern auf die Stadt übergehen. Reichenhall hat doppelt so hohen Schulden wie vergleichbare Städte Bayerns. Auch der aktuelle Haushalt konnte wieder nur durch Rücklagenentnahmen und durch Aufnahme von Krediten in Millionenhöhe ausgeglichen werden. Zwischenzeitlich sind die Reserven aufgebraucht und die Schuldenobergrenze erreicht. Dass Reichenhall unter Finanzaufsicht gestellt werde, sei nicht mehr ausgeschlossen, so Adldinger.

Als besonders bedrückend findet der Spitzenkandidat der SPD, dass beim CSU-Oberbürgermeister und der im Stadtrat mächtigen CSU-Fraktion keinerlei Anzeichen bestehen, das Ausgabenverhalten zu ändern oder auch nur die Fakten zur Kenntnis zu nehmen: „Ein Problembewusstsein bei den Verantwortlichen ist nicht erkennbar“. Eine schonungslose Analyse, energisches Handeln und Führung seien gefragt. Die Realität seien aber Verzagtheit, Blockade und Stillstand. Die Verwaltung der Stadt nahm Adldinger ausdrücklich aus: „Das ist ein reines Führungsversagen“.

So ernüchtert, erarbeiteten die Reichenhaller Sozialdemokraten im Tagungsraum des Haus Hohenfried ihre Vorstellungen mit drei Schwerpunkten:

Zuerst soll Bad Reichenhall wieder eine wirtschaftlich solide Stadt werden. Und die Stadt soll moderner werden, insbesondere in den Zukunftsprojekten Energie, Bildung, Verkehr (mit mehr Bus und Rad) und nicht zuletzt mit endlich mehr Transparenz in der Politik. Und zum dritten soll Reichenhall eine soziale Stadt sein. „Sozial, das bedeutet die Fähigkeit, sich für Andere zu interessieren, sich einzufühlen zu können und das Wohl Anderer im Auge zu behalten“, so die auf Platz 4 gereihte Reichenhaller VdK-Vositzende, Ilse Rothstein. Dass die soziale Stadt auch ein Schwerpunkt im Wahlkampf sei, verstehe sich aus der SPD-Tradition, so Rothstein.

Bei der Versammlung im Begegnungsraum des Haus Hohenfried in Bayer. Gmain freute sich der SPD-Ortsvorsitzende Guido Boguslawski über die vielen neuen Frauen und Männer auf der Stadtratsliste: „Es ist eine typische SPD-Liste mit einer guten Mischung aus den sozialen Berufen, Arbeitern und Selbständigen, aus der Gewerkschaftsarbeit und natürlich quotiert“, so der Vorsitzende. Jeder zweite Platz sei mit einer Frau besetzt und es sind auch einige Nichtmitglieder dabei. Viele der Kandidaten bewerben sich zum ersten Mal für den Stadtrat und bringen neue Perspektiven und Ideen ein, stellte er fest.


Angeführt wird die Kaniddatenliste der SPD von Manfred Adldinger, der bereits über eine langjährige kommunalpolitische Erfahrung verfügt und die letzten sechs Jahre das Amt des 2. Bürgermeisters ausübte. Ihm folgt auf Platz 2 die Stadträtin und Ver.di-Ortsvorsitzende Güldane Akdemir. Auf Platz 3 wurde Dr. Wolf Guglhör gereiht. Der Stadtrat und Dipl. Forstwirt gilt als „Grüner unter den Roten“. Ilse Rothstein, die VdK- Vorsitzende und Guido Boguslawski als VdK-Geschäftsführer folgen auf den Plätzen 4 und 5. Auf Platz 6 wurde gewählt die gebürtige Reichenhallerin Muzaffere Karar. Sie ist gelernte Bürokauffrau und Mutter von 2 kleinen Kindern. Ihr folgt Ulli Derwart als selbständiger Kaufmann, der seinem Vater als unbequemer Streiter folgen möchte. Ebenfalls eine junge Mutter mit 2 Kindern bewirbt sich Christina Roidl auf Platz 8. Sie ist Kinderkrankenschwester in einer Behinderteneinrichtung. Platz 9 belegt der Bauführer Martin Simstich, der gewerkschaftlich in der IG Bau, Agrar und Umwelt engagiert ist. Johanna Bricke auf Platz 10 ist Sprecherin des „Eine Welt Forum Bad Reichenhall“, und engagiert sich im Agrarbündnis BGL/TS sowie im SOMA Sozialmarkt Bad Reichenhall. Der jüngste Kandidat der Liste ist auf Platz 11 Christian Unterholzner. Der 19-Jährige arbeitet als Friedshofwart in St. Zeno und ist Juniorweltmeister im Eisstockweitschießen. Nach ihm die Lehrerin Gabriele Willen. Sie setzt sich besonders ein für Nachhaltigkeit und fairen Welthandel. Platz 13 belegt Hubert Eder als selbständiger Handwerker im Bereich Sicherheitstechnik. Der Vater von 2 Kindern ist Hobbylandwirt und im Vorstandsmitglied der Jagdgenossenschaft Marzoll.

Auf den weiteren Plätzen folgen Elisabeth Hassankhani, die erst vor kurzem vom Saarland nach Bad Reichenhall zugezogen ist, Wolfgang Schweitzer, der sich in seiner Freizeit in der evangelischen Kirchengemeinde engagiert und die Hauswirtschaftshelferin Claudia Ruhland. Die Plätze 17 bis 20 belegen der Diplomverwaltungswirt Erwin Meier-Heindl, die Sozialwissenschaftlerin Carola Blaack-Busse, der Altenpfleger Michael Eiginger und die Qualitätsbeauftragte Sonja Koller. Auf Platz 21 wurde der Maurermeister Franz Unterholzner gereiht, sowie auf Platz 22 die Rentnerin Katrin Kiehne. Am Schluss der Liste kandidieren Helmut Haunberger auf Platz 23 und Erwin Dommler auf Platz 24.



Stadtratswahl 2014 

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