04.02.2014

SPD-Besuch im Haus der Jugend

Bild: Haus der Jugend
Die Reichenhaller SPD beim Besuch im Haus der Jugend. Bildmitte: Rainer Hüller, der Leiter der Jonathan gGmbH
Viel Geld investiert aber die Stadt hat keine Idee das Haus zu beleben
Nach dem Umbau fehlt die Idee, das Haus mit Leben zu füllen


Nach dem Umbau wäre jetzt vieles möglich im Haus der Jugend. Doch von Andrang und Betrieb ist wenig zu spüren. Die Reichenhaller Sozialdemokraten besuchten das Jugendhaus an der Münchner Allee und ließen sich vom Leiter des Sozialbetriebes Jonathan gGmbH über die Belebung des mit hohem Aufwand renovierten Hauses berichten. Das Ergebnis ist für die SPD nicht zufriedenstellend. Die Ursache dafür, so die SPD, liegt bei der Stadt als Eigentümer des Hauses. Viele ungenutzte Räume und die wenigen Öffnungszeiten zeigen, dass die Stadt noch keine Idee der endgültigen Nutzung des Hauses habe. Selbst die endgültige Fertigstellung steht noch aus, weil es keinen Beschluss gibt, wie es weitergehen soll. Im Verhältnis zum Millionenaufwand für den Umbau stehe das Haus der Jugend jetzt quasi leer, so der Stadtratskandidat Ulli Derwart, der den Gesprächstermin für die SPD organisierte.

Rainer Hüller stellte der SPD die Jonathan gGmbH vor. 80 Mitarbeiter, davon 15 in Bad Reichenhall, sind in den Landkreisen BGL, Traunstein Mühldorf und Altötting in vier Bereichen der Jugendhilfe tätig. Zu den freiwilligen Maßnahmen zählen die flexiblen Hilfen in Familien zur Erziehungsunterstützung. Zur nichtfreiwilligen Hilfe gehört die Jugendgerichtshilfe. Dazu zählen Anti-Agressionstrainings wie das Programm „schwitzen statt sitzen“. Arbeiten auf der Alm oder lange Nachtmärsche bis zum Gefängnistor in Laufen verhindern das Absitzen von Jugendstrafen.

Und neben den Tätigkeiten in der schulischen Ganztagesbetreuung komme zuletzt die offene Jugendarbeit wie in Reichenhall die Arbeit im Haus der Jugend. Das Problem in der Jugendarbeit heute ist die Gewinnung von qualifiziertem Personal. Generell gibt es zu wenig und in dieser Arbeit werde allgemein schlecht bezahlt. Wohl deshalb gebe es hier auch kaum Männer, die sich zu diesem Beruf ausbilden lassen.

Für das Haus der Jugend hat Jonathan mit der Stadt eine Vereinbarung getroffen die eine detaillierte Leistungsbeschreibung mit Kennzahlen umfasst. Zielgruppe sind Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene. Jonathan habe sich zum Ziel gemacht, der Jugend einen Freiraum zu schaffen, in dem Selbständigkeit, Toleranz, Konfliktfähigkeit, Mitbestimmung und Verantwortungsbereitschaft gefördert werden. Die Angebote werden mit den Jugendlichen entwickelt und teilweise in deren eigener Verantwortung durchgeführt.

Angesprochen auf die noch geringe Resonanz im umgebauten Haus der Jugend, auf die noch ungenützten Räume und die wenigen Öffnungszeiten, gab Rainer Hüller den Ball an die Reichenhaller Stadtpolitik zurück: „Man würde jetzt gerne mal wissen, was die Stadt eigentlich will mit dem Haus“. Weil das nicht entschieden ist, bleibt das Haus eine „Baustelle“ mit vielen ungenützten Möglichkeiten. Er würde sich freuen auf eine Initiative der Stadt nach dem Motto „Freunde jetzt machen wir etwas draus“.

Dem SPD-Fraktionssprecher Wolf Guglhör war die Situation wohl bekannt. Das Jugendhaus ist oft Thema von Beratungen: Was wird aus der Hausmeisterwohnung? Wie soll die Fassade werden? Und nicht zuletzt, die Frage nach der Nutzung. Soll es ein Mehrgenerationenhaus werden, eine Begegnungsstätte für Alle? Sollen auch Räume für die Kinderbetreuung genutzt werden? Guglhör kritisierte, dass viel Geld in das Projekt gesteckt, es aber nicht abgeschlossen wurde: „es gehört fertig gestellt und man muss entscheiden wo es hingeht“. Sonst bleibt es eine Investition in Beton ohne eine Idee, das Haus mit Leben zu füllen.

Ulli Derwart erinnerte in der Diskussion an die SPD-Forderung im Stadtratswahlprogramm zum Thema Haus der Jugend. Demnach soll es nach dem Umbau ein Treffpunkt und Bildungszentrum für alle Altersschichten werden. Das wäre eine Weiterentwicklung des Jugendheims zu einem besseren Miteinander der Generationen in Bad Reichenhall. Von Rainer Hüller wollte er wissen, ob der Eindruck stimmt, dass Kinder und Jugendliche heute nur bespaßt werden wollen. Er wünsche sich dagegen eine Jugendarbeit, die zum Mitmachen auch in der Politik motiviert.

Jugendliche, so Rainer Hüller, seien heute gut versorgt und ihr Tagesablauf durch Ganztagesbetreuung und in Vereinen strukturierter als früher. Mitarbeit und Mitbestimmung seien allerdings rückläufig. Früher nutzten die Jugendlichen die Angebote selbständig, heute nehmen sie Teil in der Gruppe. Die Weiterentwicklung des Hauses und eine bessere Belebung wäre ganz im Sinne Jonathans. Der Sozialbetrieb würde dazu gerne seine Mitarbeit anbieten.

Beim Rundgang durch das Gebäude monierte die Stadträtin Güldane Akdemir, dass mit dem Umbau das Haus nicht gleich auch barrierefrei gestaltet wurde. Behinderung gibt es in jedem Alter und die Stadt sollte jede Gelegenheit bei fälligen Umbauten nutzen, das zu machen. Da fehlt noch das Verständnis in der Bauverwaltung, so Frau Akdemir.


Stadtratswahl 2014 Oberbürgermeist Lackner 

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