13.08.2014

Stadtmuseum Bad Reichenhall

Bild: Museum
Der Getreidestadel ist das älteste Gebäude Reichenhalls. Für 5 Mio.Euro restauriert ist es das ideale Objekt für eine Museum für die Stadtgeschichte von Reichenhall
SPD-Veranstaltung mit Dr. Johannes Lang
Ein Museum, das die Stadtgeschichte abbildet
Dr. Johannes Lang erläutert bei SPD-Veranstaltung das Museumskonzept

BAD REICHENHALL - Wie das künftige Museum der Stadt nach der Wiedereröffnung ausgerichtet sein wird, erläuterte der Stadtarchivar Dr. Johannes Lang ausführlich bei einer Veranstaltung der Reichenhaller SPD im Bürgerbräu. „Das ist eine Herkulesaufgabe“, so Gabriela Squarra, aber die Bedeutung eines solchen Museums für die Stadt sei enorm, so die Kur-direktorin. Und bei Dr. Lang, der die Geschichte der Stadt, das Gebäude und die Exponate am besten kenne, sei das Konzept in guten Händen. Bei der Veranstaltung der SPD zum Stand des Museumsprojektes, bei der auch Probleme und Differenzen nicht ausgespart wurden, meinte die Kurdirek-torin schließlich aufmunternd: „Bleiben Sie dran!“.
Mit dem Startschuss zur Sanierung des aus dem Mittelalter stammenden Getrei-dekastens 2008 habe sich die Stadtpolitik, so Dr. Lang, bewusst für ein Museum an diesem Standort entschieden. Das Feinkonzept, das sich an dem vom Stadtrat verabschiedeten Grobkonzept orientiert, sieht ein nach modernen Kriterien zeit-gemäßes Museum vor. Jedenfalls werde es nicht mehr jenes Heimatmuseum sein, das die Reichenhaller Bevölkerung aus der Vergangenheit kenne. Es werde auch kein Spezialmuseum sein, das nur einen Aspekt der Stadtgeschichte dar-stellt. Vielmehr gebiete es der Charakter der Sammlung, ein Museum zu schaf-fen, in dem sich das Wesen der Stadt widerspiegle. Es solle dem Besucher einen Eindruck von der Entwicklung, Veränderung und Bedeutung Reichenhalls über die Jahrhunderte hinweg vermitteln. Schwerpunktmäßig sollten die markanten Phasen innerhalb der Stadtgeschichte dargestellt werden. Das Salz, das die Ge-schicke des Ortes seit Menschengedenken präge, sei als der notwendige rote Fa-den heranzuziehen. Jenes Salz, das im Mittelalter lange Zeit Reichenhall zu ei-nem der bedeutendsten mitteleuropäischen Wirtschaftsstandorte und im 19./20. Jahrhundert zu einem der berühmtesten Kurbäder gemacht habe. Auch der Um-stand, dass hierorts immer noch am selben Standort Salz produziert werde, sei singulär, so der Stadtarchivar.
Eigentlich sei er vom Stadtrat nur mit der Erstellung des Konzepts beauftragt worden, doch seine derzeitige Funktion gehe notgedrungen deutlich darüber hinaus, betonte Dr. Lang. Daneben gebe es eine Litanei an Arbeiten und Aufga-ben, die parallel zum Konzept zu leisten seien. Dies betrifft hauptsächlich die fachgerechte Verwaltung, Ordnung, Vermaßung und Dokumentation der rund 10.000 im Depot eingelagerten Exponate. Darüber hinaus ist jedes einzelne Stück zu fotografieren, thematisch zu erläutern und der eventuell notwendige Restaurierungsaufwand zu ermitteln sowie entsprechende Maßnahmen zu orga-nisieren bzw. zu koordinieren. Wenn, aus welchen Gründen auch immer, Dr. Lang über einen längeren Zeitraum ausfalle, würde das Projekt sofort zum Ste-hen kommen, kritisierte eine Zuhörerin die schmale Personaldecke. Die Frage aus dem Publikum, warum die seit über anderthalb Jahren für Dr. Lang zugesag-te personelle Unterstützung (die Heimatzeitung berichtete wiederholt darüber) noch nicht erfolgt sei, beantwortete der anwesende Stadtrat Dr. Wolf Guglhör mit dem Hinweis, dass die Stadt Bad Reichenhall derzeit mehrere problemati-sche Bereiche zu meistern habe und sich die geplante personelle Umbesetzung zugunsten des Museums leider erst vor wenigen Monaten zerschlagen habe. Der Stadtrat habe daher kürzlich die befristete Anstellung eines Museologen geneh-migt, der die Exponateverwaltung übernehmen und somit dem Konzipienten, Dr. Lang, zuarbeiten soll.
Die völlige Neukonzeption eines Museums in dieser Größenordnung erfordere seine Zeit, betonte der Stadtarchivar und verwies beispielhaft auf das Stadtmu-seum in Kaufbeuren, das für die Dauer der Neukonzeption und des Umbaus elf Jahre lang geschlossen gewesen ist. Dass hier Qualität und Genauigkeit vor Ge-schwindigkeit gehe, zeige sich daran, dass dieses Museum im letzten Jahr mit dem bayerischen Museumspreis ausgezeichnet worden sei, betonte Dr. Lang. Auch das Reichenhaller Museum sei in der Vergangenheit keine kontinuierliche Erfolgsgeschichte gewesen, sondern weise in seiner Entwicklung zahlreiche Brüche auf: Bis 1854 geht dessen Geschichte zurück, weshalb es als eines der ältesten in Bayern anzusehen sei, so Dr. Lang. Bevor das Museum 1967 am heutigen Standort neu eröffnet werden konnte, hatte es weitere langjährige Un-terbrechungen hinter sich.
Damals sei die Sammlung bewusst in ein bauliches Provisorium eingebracht worden, obwohl damals das Geld zu einer Sanierung des Getreidekastens eher vorhanden gewesen sei. Der Besorgnis erregende bauliche Zustand habe 2006 zur Schließung des Gebäudes geführt.
Nach der Bausanierung des denkmalgeschützten Getreidestadels stehen für die Dauerausstellung rund 800 qm Ausstellungsfläche in neun Räumen und auf zwei Geschossebenen zur Verfügung. Es gelte, so Dr. Lang, das Gebäude mit der Ausstellungsarchitektur in Einklang zu bringen. Darüber hinaus sei es notwen-dig, mehrere inhaltliche Ebenen zu vermitteln, u.a. eine Führungslinie, die sich an Kinder richte. Es werde deutlich weniger gezeigt werden als im ehemaligen Heimatmuseum, das sich im Sinne eines Schaudepots präsentiert habe. Das An-sprechen aller Sinne sei eines der Ziele, ebenso die künftige Identifikation der Bevölkerung mit dem Reichenhaller Museum. Daher seien die Einheimischen eine wichtige Zielgruppe, für die das Museum in Zukunft durch Sonderausstel-lungen, Vorträge, Lesungen und Spezialführungen dauerhaft attraktiv gemacht werden müsse. Dies aber sei letztlich abhängig von der langfristigen personellen Ausstattung für das Museum.







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