Rote Filmacht im Park-Kino Bad Reichenhall

18.04.2018, 20.00 Uhr

London, 1912. Als die in einer Wäscherei beschäftigte Maud Watts auf der Straße Zeugin wird, wie Dutzende Frauen Schaufensterscheiben mit Steinen einschlagen und Parolen wie „Taten statt Worte“ schreien, ist sie zunächst erschrocken. Denn Maud hat, wie viele Frauen ihrer Generation, Zeit ihres Lebens immer nur ehrerbietend getan, was Männer ihr sagten. Doch immer mehr Frauen fordern das Wahlrecht, das ihnen bisher per Gesetz nicht zusteht. Sie fordern gerechten Lohn und vor allem Anerkennung für das, was sie leisten. Und sie sind bereit, für dieses Recht auf die Straße zu gehen – oder auch ins Gefängnis. Die Regierung nimmt die „Suffragetten“ jedoch nicht ernst. Und die Polizei sieht in ihnen Ruhestörer, die zum Schweigen gebracht werden sollen. Nach und nach regt sich auch in Maud der Widerstand. Denn die leise Stimme in ihrem Kopf, die sagt, sie müsse für ihr Recht kämpfen, wird lauter und lauter und vermengt sich mit so vielen anderen, die lauthals einfordern, was selbstverständlich sein sollte: Gleichberechtigung. In ihrem Film beleuchten Regisseurin Sarah Gavron und Drehbuchautorin Abi Morgan ein filmisch bisher wenig aufgearbeitetes Thema. Dabei gelingt es, neben der Darstellung historischer Ereignisse rund um die Suffragetten-Bewegung die emotionale Geschichte eines Einzelschicksals zu erzählen, das für viele andere in dieser Zeit steht. Maud verkörpert all das, was Frauen zu dieser Zeit erdulden mussten. Die Bevormundung und Entmündigung durch den Ehemann, der Missbrauch von Machthabenden, die Herabsetzung durch Recht und Gesetz. Carey Mulligan gelingt eine atemberaubende Darstellerleistung. Wenn die Kamera ihr Gesicht zeigt, dann sieht man Schmerz und Leid, Erschöpfung und Resignation darin eingebettet. Und doch sieht man auch diesen Funken in ihren Augen, der zeigt, dass sie sich aufbäumt, dass sie sich wehrt und dass sie ihren eigenen Weg gehen wird. Auch der Rest des Cast überzeugt auf ganzer Linie. Anne-Marie Duff als Kollegin, die bald zu einer Freundin wird und sich trotz Schicksalsschlägen nicht unterkriegen lässt, Helena Bonham-Carter als taffe Anführerin, Brendan Gleeson als bärbeißiger Polizist und Ben Whishaw als Ehemann, der ein Opfer seiner Zeit ist und nicht erträgt, dass seine Frau sich emanzipiert. Emmeline Pankhurst, die Mitbegründerin der Suffragetten-Bewegung, wird von Meryl Streep verkörpert, die selbst in einem kurzen Auftritt zweifelsohne ihr Können unter Beweis stellt. Eine nahe Kameraführung, die starke Inszenierung von Massenszenen sowie eine historisch authentische Ausstattung und Kostümierung versetzen den Zuschauer in die damalige Zeit. Die Demütigungen der Frauen von damals werden durch eine straffe und klug gestrickte Dramaturgie greif- und auch fühlbar gemacht. Ein wichtiger, beeindruckender und bewegender Film, der eine Geschichte erzählt, die heute ebenso aktuell ist wie damals. Und die genau so erzählt werden muss.

Örtlichkeit
Park-Kino
Salzburger Straße 2
83435 Bad Reichenhall
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